Lösungen für unterschiedliche Wohlfühltemperaturen am Arbeitsplatz

Eine aktuelle wissenschaftliche Studie (veröffentlicht von der Fachzeitschrift Plos One) ergab, dass die Auswirkungen der Temperatur auf die Arbeitsleistung von Männern und Frauen stark variieren.

Von den 543 getesteten Teilnehmenden zeigten die Ergebnisse, dass die Leistung von Frauen sowohl in Mathematik als auch in der verbalen Kommunikation bei höheren Innentemperaturen signifikant zunahm. Männer zeigten das Gegenteil: Sie schnitten bei niedrigeren Temperaturen besser ab. Basierend auf den Ergebnissen kam das Forschungsteam zu dem Schluss, dass eine Erhöhung der Temperatur für Arbeitsbereiche mit gemischten Geschlechtern die Gesamtproduktivität verbessern kann.

Die genannte Studie regt durchaus zum Überdenken von Gewohnheiten, wie die Temperaturen in den Arbeitsgebäuden derzeit eingestellt werden, an. Denn in einer anderen bekannten Studie (zu Raumklimaregulierungen) wurde das „Wärmekomfortmodell der 1960er Jahre” entwickelt und auf den Standardstoffwechsel eines durchschnittlichen Mannes eingestellt. Dadurch wird der weibliche thermische Komfort um bis zu 35 Prozent überschätzt und ignoriert. Darüber hinaus trägt dieser „gesetzte Standard für den thermischen Komfort“ maßgeblich dazu bei, dass Gebäude nicht energieeffizient sind.

 

Gebäudetemperaturen

„Die Gebäudetemperaturen werden weitgehend von Gebäudemanagern gesteuert“, die branchenübliche Standards für den thermischen Komfort von rund 80 Prozent der Gebäudenutzer festlegen. Das bedeutet zwangsläufig, dass sich 20 Prozent der Nutzer immer unwohl fühlen werden.

Facility Manager (FM) wissen, dass die Temperaturregelung in einem Gebäude eine herausfordernde Aufgabe sein kann. Aber sie verstehen auch, dass die Regulierung und Einstellung der richtigen Temperatur entscheidend für die Schaffung eines produktiven und energieeffizienten Arbeitsplatzes ist.

Welche Lösungen gibt es also für die Ausarbeitung von Wärmestrategieplänen, die auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Endverbraucher zugeschnitten sind?

 

Arbeitsplatzgestaltung

Alle Menschen haben unterschiedliche Stoffwechselraten und damit unterschiedliche Vorstellungen darüber, welche Temperaturen am angenehmsten sind. Daher sollte das FM eines Gebäudes ständig die Endnutzer der Einrichtungen überwachen und mit ihnen kommunizieren, um sicherzustellen, dass die Temperaturanforderungen erfüllt werden. Auf diese Weise können FM‘s strategisch verschiedene Systeme einrichten, um den unterschiedlichen Temperaturanforderungen gerecht zu werden.

An Arbeitsplätzen, wie dem Büro der New York Times, gibt es eine „gleichmäßige Geschlechterverteilung” zwischen den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Daher gibt es beim Umgang mit thermischen Temperaturen (um beiden Geschlechtern gerecht zu werden) acht verschiedene Arbeitsbereiche, die speziell für Frauen konzipiert wurden. Zum Beispiel: „Die Sitzmöbel wurden aus weichen Stoffen, wie Samt, gefertigt, die vor allem für Nutzer mit nackten Beinen geeignet sind“. Darüber hinaus wird im Sommer die Temperatur angepasst, da Männer 21 Grad Celsius und Frauen 1,5 Grad höher bevorzugen – daher werden die Thermostate zwischen 22 und 24 Grad Celsius eingestellt. Und in den Wintermonaten ist der Arbeitsplatz strategisch mit einem Korb aus gestrickten Baumwolldecken ausgestattet, für Mitarbeiter, die zusätzliche Wärme benötigen.

 

Internet of Things (IoT)

Die ideale Temperatur in einem Gebäude hängt hauptsächlich mit der Luftfeuchtigkeit zusammen, da die empfundene Temperatur direkt von der Luftfeuchtigkeit in der Innenumgebung beeinflusst wird. Und hier ist das Internet of Things (IoT) eine spezifische Lösung, die die Qualität der Raumluft durch viele Sensoren messen kann, die im gesamten Gebäude positioniert sind.

Diese Sensoren sind alle miteinander und mit einem Kommunikationsnetzwerk (das heißt mit dem Internet und jeder Art von mobiler App) verbunden. Hier ermöglichen die Sensoren, unter Verwendung von Big Data:

  • Echtzeit-Überwachung von Innenraumtemperatur, relativer Luftfeuchtigkeit und CO2-Werten, gemessen in verschiedenen Räumen,
  • die Visualisierung der Messpunkte der Sensoren auf einer geografischen Karte (oder einem Gebäudeplan),
  • die Abfrage von historischen Daten (um die Zukunft zu verstehen und vorauszusehen),
  • und die Generierung von Warnmeldungen bei Überschreitung von Schwellenwerten.

                                                                                                                                         Quelle: Lionel Anciaux, 2018

Die kontinuierliche Messung der Raumluftqualität durch IoT ermöglicht es, zu einer idealen Raumtemperatur beizutragen, die auch in verschiedenen Bereichen des Gebäudes entsprechend der strategischen Arbeitsplatzgestaltung geregelt werden kann.

So kann eine individuelle Anpassung in speziellen Arbeitsbereichen vorgenommen werden, in denen die Temperaturen kühler oder wärmer eingestellt werden können, sodass jeder in den Bereich wechseln kann, der seinen Bedürfnissen am besten entspricht. Diese Wärmeeinstellungen können von den FM's des Gebäudes in Echtzeit überprüft und überwacht werden – ebenso wie von den Endnutzern des Gebäudes, die Informationen über die Innentemperatur eines bestimmten Arbeitsbereichs benötigen.

Darüber hinaus kann das IoT die genaue Darstellung des Wärmebedarfs aller Gebäudenutzer erleichtern – was zu tatsächlichen Energieverbrauchsprognosen und damit zu Energieeinsparungen führt.

Durch die Entwicklung von Wärmestrategieplänen können FM's das Arbeitsplatzerlebnis konkret verbessern, indem sie die Umgebungstemperaturen am Arbeitsplatz verbessern – was nachweislich zu einer besseren Gesundheit und zu einer Steigerung der Gesamtproduktivität beiträgt.

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